Sansibar Rock im Garnelenaquarium
Ein Artikel von Dominik Trauth
In vielen Aquaristikgeschäften und anderen Läden, die Aquaristikhandel betreiben, kann man heute so genannte „Sansibar Rocks“ – das gleiche Produkt firmiert auch unter dem Namen „Sansibar Stone“ oder auch „Sansibar Stein“ – erwerben. Sie sind recht günstig (größere Exemplare kosten selten mehr als sieben oder neun Euro) und scheinen vorderhand gut für ein Garnelenaquarium geeignet. Ich musste den Sansibar Stone allerdings wieder aus meinem Garnelenaquarium entfernen. Hier mal ein paar Fakten dazu:
Es handelt sich beimSansibar Rock um versteinerte Meeresablagerungen mit wirklich toll aussehenden Aushöhlungen, die nach Angaben der deutschen Vertriebsfirma durch Erosion entstehen. Es ist ein kalkhaltiger Stein, der diesen Kalk auch langsam wieder an das Wasser abgibt. Er ist also nur geeignet, wenn das Wasser recht weich ist, da das Aquarienwasser durch das Auslösen von Kalk härter wird.
Der Sansibar Rock ist außerdem ein Jura-Gestein und das ist für uns auch aus geologischer Sicht interessant, denn so ein Steinchen ist damit zwischen 145 und 200 Millionen Jahren alt. Über Jahrmillionen hat dieser Stein also durch die Plattentektonik unseres Planeten seinen Weg an die Erdoberfläche gefunden und damit kann nun ein echtes Stück Erdgeschichte in unserem Aquarium landen.
Foto 1
Cherry bzw. RedFire Garnelen auf einem Sansibar Stein in meinem Aquarium.
Ich hatte beim Kauf darauf geachtet, dass der Stein keine scharfen Kanten hat, damit sich meine Tiere daran nicht verletzen. Da musste ich schon mehrere Steine in die Hand nehmen, denn die Sansibar Stones haben wirklich viele Kanten. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass diese Steine für einige Fischarten nicht geeignet sind. Nun aber zu der Begründung, warum ich den Stein rausgenommen habe und aufgrund meiner Erfahrung für ein Garnelenaquarium nicht empfehlen kann:
Foto 2
Die Unterseite des Sansibar Rock. Die Verfärbungen sind deutlich erkennbar.
Vielleicht war’s auch meine eigene Unbeholfenheit, aber ich hatte nach einiger Zeit immer wieder mal Probleme mit meinen Wasserwerten. Ich konnte mir das nicht so recht erklären, also beschloss ich, einen großzügigen Wasserwesel durchzuführen und bei der Gelegenheit auch noch ein bisschen umzugestalten.
Als ich den Stein auch umsetzen wollte und ihn anhob, bemerkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Der Bodengrund war dunkel verfärbt, geradezu grau. Als ich den Stein vorsichtig aus dem Aquarium gehoben hatte, roch ich einen fürchterlich starken Gestank. Der ganze Bodengrund unter dem Stein war faulig, der Stein selbst stark verfärbt — wie auf Foto 2 zu sehen. Ich war doch sehr schockiert, weil der Stein oberflächlich ganz hell und tadellos wirkte. Die Verfärbungen weisen für mich allerdings deutlich auf einen starken Bakterienbelag hin, was auch den fauligen Geruch erklären würde.
Meine Vermutung war folgende: Durch die Reinigung des Steines konnte ich die Bakterien nicht vollständig entfernen, nur oberflächlich. Durch die Ausscheidungen der Garnelen und Futterreste vermehrten sich die Bakterien immer wieder massiv im Bodengrund und in den Poren des Sansibar Rock. Der Stein musste also raus aus dem Aquarium.
Die Garnelen, die sich in dem Stein versteckten, habe ich dann vorsichtig abgesammelt und wieder ins Aquarium gesetzt. Den Bodengrund an der entsprechenden Stelle habe ich völlig entfernt und erneuert. Den Garnelen geht’s trotz der Trennung von ihrem geliebten Versteck gut.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass diese Bakterienexplosion auch auf mangelnde Reinigung oder zu viel Fütterung und ähnliche weitere Dinge von meiner Seite zurückzuführen sein kann. Aber ein Stein, den man öfter als einmal in der Woche reinigen muss, scheint mir dann ohnehin nicht für’s Aquarium geeignet. Wer aber mit seinem Sansibar Rock zufrieden ist, der soll ihn ruhig drin lassen. Vielleicht war mein Problem ja ein Einzelfall.
