RSS Feed

Algen und Garnelen

Ein Artikel von Dominik Trauth

Die ganz kurze Abhandlung kann auf keinen Fall einen (professionellen) Ratgeber ersetzen. Eine wirklich gut und viel ausführlichere Behandlung des Themas findet ihr in Bernd Kaufmanns „Algen-Fibel Aquarium“ (2010).
Der vorliegende Text ist lediglich ein Kondensat aus eigenen Erfahrungen. Ein weiterführende Literaturliste am Ende des Artikels soll euch zeigen, wo ihr ausführlichere Informationen erhaltet.

Kieselalgen auf einer Rosanervis
Bild 1   
Kieselalgen. Hier auf einer Rosanervis
(Hygrophila Polysperma)

Jeder Aquarianer kennt das Algenproblem: Das Aquarium ist frisch eingerichtet und läuft seit ein-zwei Wochen ruhig und zuverlässig vor sich hin, und obwohl die Pflanzen sprießen und präzise gedüngt wurde, erscheinen plötzlich rostbraune Flecken an den Pflanzen und grüne Fleckchen auf Steinen und an der Scheibe. Wie auf Bild 1 und Bild 2 zu sehen ist, sind derartige Algenvermehrungen recht unansehnlich und sie können sogar den Stoffwechsel der Pflanzen beeinträchtigen – im schlimmsten Fall leiden sogar die Aquarientierchen. Das ist allerdings noch kein Grund zur Beunruhigung und erst recht kein Grund zur chemischen Keule zu greifen. Einige Stichpunkte sollen das verdeutlichen:

Der obere Teil der Rosanervis
Bild 2   
Der obere Teil der Rosanervis.

  • Algen sind normal. Sie kommen in jedem Aquarium vor gehören in den ‚Haushalt‘ eines solchen Ökosystems.
  • Ein gewisses Maß an Algen im Aquarium ist daher nicht schädlich. Problematisch wird es allerdings, wenn Algen in Massen auftreten.
  • Algen treten meist dann auf, wenn die Wasserwerte nicht ganz in Ordnung sind, oder zu viel gedüngt worden ist. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass das Wachstum der – meist frisch in das Aquarium eingeführter – Pflanzen noch nicht recht begonnen hat; die Algen haben also noch keine pflanzlichen ‚Konkurrenten‘.

 

In meinem Aquarium waren allerdings die Wasserwerte absolut in Ordnung und die Pflanzen wuchsen auch schon prächtig (auf Bild zwei kann man die Wurzelbildung und mehrere junge Blattriebe gut erkennen). Ich wusste nicht warum ich so viele bräunlich Algen im Aquarium hatte, also habe ich erst einmal versucht zu klären, welche Algensorte das sein könnte.Ich befürchtete zunächst Braunalgen, weil die Algen ja braun waren. Es waren dann allerdings doch ganz harmlose Kieselalgen.
Es gibt viele Algensorten und ich nenne hier nur einige:

  • Grünalgen: Sie sind nicht schädlich und eher ein Indikator für gute Wasserwerte. Die meisten Fische und vor allem Garnelen fressen Grünalgen. Grünalgen sind sicherlich die häufigsten Algen im Aquarium.
  • Kieselalgen: Sie treten ebenfalls häufig in Aquarien auf, sind harmlos, werden aber nicht von allen Aquarienbewohnern gefressen. Ich habe immer wieder in Internetforen gelesen, dass Garnelen sich an Kieselalgen nicht zu schaffen machen würden. Mein Cherry bzw. RedFire Garnelen fressen jedoch Kieselalgen äußerst gerne.
  • Braunalgen kommen nur selten in Süßwasseraquarien vor (es gibt überhaupt nur fünf Arten von Braunalgen, die im Süßwasser vorkommen, der meisten Arten findet man folglich in maritimen Gewässern). Beim Verdacht auf Braunalgen handelt es sich fast immer um Kieselalgen.
  • Blaualgen: Was wir als Blaualgen bezeichnen sind eigentlich Cyanobakterien, die mitunter starke Toxine (Giftstoffe) erzeugen können und sehr gefährlich für Fische und Pflanzen sind. Aber ich kann hier Entwarnung geben, denn wenn ihr euer Ökosystem Aquarium sorgsam behandelt, werdet ihr keine Bekanntschaft mit dieser Algensorte machen. Die Cyanobakterien treten dann auf, wenn euer Wasser mit Phosphat oder Nitraten (bzw. ähnlichen Nährstoffen) ‚übersättigt‘ – also belastet – ist. Um so etwas zu vermeiden, solltet ihr euch einen ordentlichen Wassertest zulegen (ich benutze den „Tetra 6-in-1“) und alle paar Tage eure Wasserwerte überprüfen. Der Tetra Test zeigt leider nicht die Phosphat-Belastung, aber ihr könnt immerhin Nitrit- und Nitratgehalt des Wassers bestimmen. Phosphat-Tests sind etwas teurer und separat von allen namhaften Anbietern zu erwerben.        
    Wenn ihr Probleme mit Blaualgen habt, weil eure Wasserwerte ‚gekippt‘ sind, kann ich an dieser Stelle – mangels Erfahrung – leider keinen Tipp geben. Auch hier gilt: Lesen, lesen und nochmals lesen. Wenn ihr vermutet, dass euer Aquarium von einer heimtückischen Plage heimgesucht wird, müsst ihr auf alle Fälle ruhig bleiben. Selbst wenn ihr Cyanobakterien im Wasser habt, wird euren Tierchen erst einmal noch nichts passieren. Ihr solltet auf jeden Fall von möglichst vielen seriösen Stellen Informationen einholen. Fragt den örtlichen Aquarienverein, ruft beim Tierarzt an, schaut euch die Aquarienabteilung im Zoo oder bei eurem Händler an und konsultiert die Fachleute.Das Internet sollte für euch immer nur eine Vororientierung sein. Da die Qualitätssicherung der Informationen bei Büchern i.d.R. auf höherem Niveau erfolgt, solltet ihr also erst einmal ein einschlägiges Buch lesen.    
    Auf folgenden Seiten machen einige Aquarianer Angaben zu ihre persönlichen Erfahrungen mit Blaualgen:
  • Allgemeines zur Algenvermehrung und Behandlung: Wenn die Nitrit- und Nitratwerte zu hoch sind, solltet ihr einen Wasserwechsel (20 bis 40%) machen und schaut noch einmal genau nach, ob ihr euren Dünger richtig dosiert habt. Die meisten Algen ‚blühen‘ nämlich aufgrund von zu viel Dünger und Futterresten.   
    Viele Ratgeber führen eine ‚Algenblüte‘ auch auf falsche Beleuchtung zurück. Das trifft vor allem dann zu, wenn die Beleuchtung für euer Aquarium zu stark ist. Auch hier gilt oft: Weniger ist mehr. Die Aquarienratgeber von Sera, Eheim, Dennerle und JBL können hier eine große Hilfe sein. Auch ‚herkömmliche‘ Aquarienratgeber
  • Folgende Algenarten habe ich nicht aufgezählt, weil ich keine Erfahrung mit ihnen gemacht habe oder weil sie sich nicht zu Problemen in meinen Aquarien entwickelt haben:
    • Fadenalgen
    • Bartalgen
    • Schwebealgen

Wie auf Bild 2 zu sehen ist, waren die Algen eher bräunlich und ich befürchtete schon, dass es Braunalgen sein könnten. Aber hier kann man eigentlich Entwarnung geben. In einem gepflegten Aquarium kommen eigentlich kaum Braunalgen vor. Es handelte sich um Kieselalgen und stellenweise fand ich noch einige Grünalgen. Also kein Grund zur Panik. Die meisten Algenarten im Aquarium sind absolut harmlos. Wie habe ich sie wieder in den Griff bekommen?
Das ist eigentlich das einfachste, wenn man ein Garnelenaquarium – bei mir 12 Cherry bzw. RedFire Garnelen – hat. Garnelen fressen Algen mit Inbrunst und wenn sich diese Algen vermehren, sind die Garnelen wohl ‚papp satt‘. Das war jedenfalls meine Schlussfolgerung. Ich habe also aufgehört, meine Tierchen zu füttern und wollte einmal schauen, ob sie sich an den Algen zu schaffen machen.


Bild 3
Die gleiche Pflanze zweieinhalb Tage später.
Algenfrei.

Ich habe einen Teilwasserwechsel von 30% gemacht, die Temperatur von 23° C auf 24° C erhöht und ganz normal weiter gedüngt (täglich eine Tropfen JBL Ferropol 24 und beim Wasserwechsel 5ml normales Ferropol). Am ersten Tag tat sich noch nicht viel. Die Garnelen machten das, was sie jeden Tag so tun: Verstecken spielen, ein paar Steinchen umdrehen und hin und wieder mal eine Runde durchs Aquarium flitzen.
Nach zwei Tagen Askese verhielten sich die Tierchen schon anders. Sie kamen schon wesentlich öfter aus der Höhle, um nach Fressbarem zu suchen und gegen Mittag begannen sie systematisch die zwei Moosbälle im Aquarium abzuzupfen.

Gegen Abend konnte ich dann auch beobachten, dass sich die Garnelen auf die Pflanzenstengel hockten und dort anfingen, die Algen abzuernten.
Als ich am nächsten Morgen in das Aquarium blickte, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Die Garnelen hatten wirklich alle Algen auf den Pflanzen ratzekahl abgegrast und das Aquarium sah aus wie frisch eingerichtet (s. Bild 3).
Die Garnelen mussten wirklich hungrig sein, und da ich so eine starke Leistung belohnen wollte, habe ich ihnen dann mittags zwei Hasenpellets gegönnt.
Die Temperatur lasse ich jetzt bei 24° C, weil das den Stoffwechsel der Tiere ankurbelt. Bei höheren Temperaturen gedeihen zwar auch die Algen besser, aber die Garnelen bekommen auch schneller Appetit und 24° C sind auch eine gute Temperatur für meine anderen Pflanzen, die jetzt auch schneller wachsen.
In ein bis zwei Tagen gibt’s dann wieder „Tetra Crusta Menu“ – sofern sich die Algen bis dahin nicht zu stark vermehrt haben.

Mein Fazit
Bei Garnelen im Aquarium kann man sich jegliche chemischen Algenbekämpfungsmittel sparen. Außerdem braucht man keine großen Arrangements (Änderung bei der Düngung usw.) zu treffen, falls man ‚normal‘ düngt. Garnelen sind die effektivste Algenbekämpfungstruppe, wenn sie Appetit haben. Daher sollte man folgender Maßen vorgehen:

  • Ein kleiner Wasserwechsel. Die 30% von mir waren vielleicht etwas übertrieben. 15% bis 20% sollten eigentlich auch reichen.
  • Ggf. Temperatur etwas erhöhen, um den Stoffwechsel der Pflanzen und der Tiere zu stimulieren. Ihr müsst unbedingt auf die Temperaturvertäglichkeit der Aquarienbewohner und Pflanzen achten und die Temperatur immer nur langsam anheben (ich hebe/senke nicht mehr als 0,5°C alle sechs Stunden).
  • Zwei bis drei Tage nicht füttern. Alle Futterreste mit einem Mulmsauger beseitigen. Ich benutze den Tetra „Staubsauger“ – das ist zwar ein Billigteil, erfülltseinen Zweck aber prima.
  • Sparsam füttern ist überhaupt wichtig, damit sich die Algen erst gar nicht zur Plage entwickeln können.
  • Niemals mehr Düngen als nötig. Beipackzettel der Hersteller beachten. Überdosierung auf jeden Fall vermeiden. Immer nur eine Sorte Wochendünger verwenden.

Weiterführende Literatur zum Thema (Auswahl)

    • Behrendt, Alexandra; Lukhaup, Chris: Schnecken fürs Aquarium, in: GU-Tierratgeber, München 2009.
    • Gutjahr, Axel: Aquarien einrichten. Fische & Pflanzen in Harmonie ; [14 traumhafte Unterwasserlandschaften ; Schritt für Schritt zum Erfolg], in: GU-Tierratgeber, München 2006.
    • Kaufmann, Bernd: Algen-Fibel Aquarium. Kein Problem mit Süßwasseralgen, Ettlingen 2010.
    • Kölle, Petra: 300 Fragen zum Aquarium. Kompaktes Wissen von A bis Z, Experten-Tipps aus der Praxis ; [Extra: Pflege-Plan], in: Der große GU-Kompass, München 2005.
    • Krause, Hanns-Jürgen: Aquarientechnik, Kollnburg 1997.
    • Krause, Hanns-Jürgen: Aquarienwasser. Diagnose, Therapie, Aufbereitung, Kollnburg 1998.
    • Logemann, Carsten; Logemann, Frank: Garnelenfibel. Süßwassergarnelen für Anfänger und Fortgeschrittene, Ettlingen 2007.
    • Pekny, Reinhard; Lukhaup, Chris: Süßwasser-Garnelen, in: GU-Tierratgeber, München 2008.
    • Quante, Kai Alexander: Garnelen und Krebse im Aquarium, Stuttgart 2008.
    • Schliewen, Ulrich: Das große GU-Praxishandbuch Aquarium, München 2010.
    • Titz, Thomas: Grundkurs Aquarienpflanzen, in: Datz-Aquarienbücher, Stuttgart (Hohenheim) 2002.
    • Vierke, Jörg: Kleine Aquarien. [extra: Nano-Aquarien], Stuttgart 2010.